Promenaden in Südtirol - Auf den Spuren bekannter Persönlichkeiten

Ob in Bozen, Meran oder Brixen – Südtirol bietet eine Vielzahl an beeindruckenden Promenaden und Spazierwegen, die euch auf eine Gedenkreise berühmter Südtiroler Persönlichkeiten führen. Inmitten paradiesischer Pflanzenwelten erlebt ihr hier auf prachtvollen Wegen mit Gedenktafeln und Ehrenmälern einen biografischen Rückblick in die Vergangenheit. Es waren Musiker, Adlige, Wissenschaftler oder Psychologen, die heute die Namen eurer idyllischen Lieblings-Promenaden prägen. Hier findet ihr einen kleinen Einblick in die Geschichte einiger Südtiroler Berühmtheiten und erfährt, welche besonderen Orte sie damit geschaffen haben.

Südtirols Promenaden – Die Übersicht

Die Oswaldpromenade: Ein Denkmal für den Minnesänger

Geboren wird Oswald von Wolkenstein im 14. Jh. auf Burg Schöneck im Pustertal, gelebt hat er überall. Schon in jungen Jahren kann er sich für die Musik begeistern. So verlässt er im Alter von nur 10 Jahren sein Elternhaus und beginnt ein abenteuerliches Wanderleben durch ganz Europa, finanziert von seinen beliebten Liedern. Aber wie die meisten, treibt es auch ihn wieder nach Südtirol zurück, wo er nicht nur politisch tätig, sondern auch für seine Taten gefangen genommen und gefoltert wird. 1445 stirbt Oswald von Wolkenstein in Meran als hoch angesehener Ritter, berühmter Minnesänger, Dichter, Komponist und Diplomat – und bleibt uns als einer der wichtigsten Adeligen Südtirols im Gedächtnis. 

Die Oswaldpromenade in Bozen möchte an den Südtiroler Musikkünstler erinnern. Sie verläuft vom Stadtteil St. Anton bis hin zum Weinbaugebiet St. Magdalena und begeistert mit ihrer floralen Vielfalt soweit das Auge reicht. Und übrigens: Auf allen Bildern von Oswald von Wolkenstein ist er mit verschlossenem rechtem Auge zu sehen, kein Zwinkern, sondern vermutlich eine angeborene Missbildung der Augenhöhle.

Die Oswaldpromenade
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Der Tappeinerweg: Eine Gedenkreise in botanischer Fülle

Vor 200 Jahren kommt Dr. Franz Tappeiner auf dem Loretzhof oberhalb von Laas im Vinschgau auf die Welt. Nicht weit entfernt davon: Meran. Hier arbeitet Tappeiner ein Leben lang als Arzt, Wissenschaftler, Botaniker und Anthropologe. Er ist auch Fremdenverkehrspionier, Wohltäter und weit vorausdenkender Touristiker. So hat er auf jeden Fall dazu beigetragen, dass die Kurstadt heute so beliebt ist. Zu seinem 80. Geburtstag wird er sogar zum Ehrenbürger Merans gekürt. 

Noch zu Lebzeiten stiftet Tappeiner einen der schönsten Südtiroler Spazierwege, bekannt für seine einheimische, mediterrane und sogar exotische Vegetation. Die Rede ist natürlich von dem nach ihm benannten Tappeinerweg – ein traumhafter Spot mit eindrucksvollem Panoramablick für alle Naturbegeisterten. Über mehrere Zugänge kommt ihr zu der malerischen vier Kilometer langen Promenade im Herzen Merans. Ob von der Gilfpromenade, dem Steinernen Steig oder dem Tiroler Steig, hier findet ihr den richtigen Weg zum Pflanzenparadies.


Die Guntschnapromenade – oder die adlige Heinrichpromenade

Bereits seit 1892 kann man die wunderbare Aussicht der Guntschnapromenade über Gries bei Bozen genießen. Damals aber heißt sie noch Erzherzog-Heinrich-Promenade, benannt nach Erzherzog Heinrich von Habsburg. Als großer Pflanzen-Fachmann und begeisterter Botaniker finanziert er damals die Errichtung der Promenade, um daraus einen Spaziergang der Pflanzenlehre zu machen. Die Eröffnungsfeier erlebt er aber nicht mehr: man erzählt sich, dass der Erzherzog nur wenige Monate vorher unter mysteriösen Umständen in einer Suite des Hotels "Sacher" in Wien tot aufgefunden wurde. Andere Quellen behaupten, er sei in Bozen gestorben und begraben worden.

Die Guntschnapromenade heißt heute zwar anders, ist aber immer noch dem Erzherzog gewidmet – als Dank für seine großzügige Förderung des Spazierweges. Vom Grieser Platz bis hinauf nach Jenesien findet ihr hier exotische Anpflanzungen, botanische Besonderheiten sowie mediterrane Bäume, Sträucher und Blumen.


Die Freudpromenade: ein Geburtstagsgeschenk

Der berühmte Psychoanalytiker Dr. Sigmund Freud verbringt vor über 100 Jahren seinen Sommer am Ritten. Eine ganz besondere Zeit, in der Sigmund und Martha Freud sogar Silberhochzeit feiern. Die „Freud-Veranda“, wo die Feier abgehalten wurde, und auch das Hotelzimmer im Bemelmans Post erinnern heute noch an jene Zeit. So wird Klobenstein zu einem Ort, den Familie Freud gar nicht mehr verlassen möchte. Ist zunächst nur ein mehrwöchiger Aufenthalt geplant, sind es schlussendlich zwei Monate, die der Wiener Psychologe am Ritten verbringt. Im Mai 2006 wäre er 150 Jahre alt geworden. Dies wurde zum Anlass genommen, die Promenade zu sanieren, neu zu eröffnen und nach Sigmund Freud zu benennen.Von Oberbozen über Lichtenstein nach Klobenstein – die Freudpromenade leitet euch über den gesamten Ritten. Sie ist ideal, um vor den Hitzewellen im Tal hinauf ins Kühle der schattigen Waldwege zu flüchten, und die Frische am Hochplateau zu genießen. Atemberaubende Landschaften wie Dolomiten-Panoramablick mit Latemar, Rosengarten und Schlern – so viel bietet die Freudpromenade am Ritten. Und falls es die Zeit erlaubt: Unbedingt einen Kurzbesuch zu den Erdpyramiden unternehmen. Die 25.000 Jahre alten Steintürme sind die höchsten von ganz Europa und befinden sich noch dazu im Vordergrund einer wunderbaren Aussicht. 

Die Karlspromenade: zur Ehre eines Seligen

Auch Kaiser Karl I. genoss seine Zeit in Südtirol. Der sozial engagierte Habsburger war der letzte österreichische Kaiser und machte das erste Mal während des Ersten Weltkrieges in Bozen Halt. Trotz eisigen Temperaturen und verschneiten Landschaften konnte er sich sofort für unser schönes Land begeistern. Und auch für die Südtiroler war der 15. Jänner 1917 ein besonderer Tag. Bei weiteren Besuchen entwickelte der junge Kaiser eine Vorliebe für einen ruhigen Spazierweg im Wald zwischen Brixen und Milland, auf den er auch bei seiner Hochzeitsreise nicht verzichten wollte. Als Memorial an den ersten Besuch des letzten Habsburgerischen Kaisers wurde 1903 dieser Weg, die Karlspromenade, nach ihm benannt. Der gemütliche Rundgang bei der Bischofsstadt führt euch durch schattenspendende und lichte Laubwälder, vorbei an Frühjahrsblumen und Trinkwasserbrunnen. Kurzinfo am Ende: Kaiser Karl I. wurde 2004 nach langem Hin und Her von Papst Johannes Paul ll. seliggesprochen. Er sei ein vorbildlicher Christ, Ehemann, Familienvater und Herrscher gewesen.


Die Kaiserin-Elisabeth-Promenade: auf den Spuren von Sissi

Die Kaiserin-Elisabeth-Promenade, benannt nach der österreichischen Kaiserin Sissi, befindet sich in Welschnofen im Eggental. Panoramablicke auf die Nordwände der Latemargruppe, Aussichten auf steile Felsformationen entlang von gepflegten Forststraßen und wilden Waldhängen. Die Sissi-Promenade ist auf jeden Fall einen Ausflug wert! Der Höhenweg verbindet auf einem angenehmen Spazierweg die Bergbauernhöfe mit ihren umliegenden Wiesen und Wäldern. Kein Wunder: auch die junge Kaiserin verbrachte ihren Urlaub in Welschnofen am liebsten auf diesem imposanten Weg. Ab ihrem Besuch im Jahr 1897 setzte sich der Name „Kaiserin-Elisabeth-Promenade“ durch. Zehn Jahre später wurde hier sogar ein Sissi-Denkmal errichtet. Wie ihr ganz einfach dorthin findet, lest ihr am besten hier. Noch ein Tipp: Die Kaiserin-Elisabeth-Promenade befindet sich nur 700 Meter oberhalb des faszinierenden Karersees. Der smaragdgrüne Bergsee ist für seine Farbpracht als „Märchensee der Dolomiten“ bekannt.


Die Luis-Trenker-Promenade als Erinnerung an einen Filmstar

Nicht nur ein Modelabel ist nach ihm benannt, auch eine der schönsten Südtiroler Promenaden trägt den Namen des weltbekannten Grödner Multitalents. Luis Trenker war Architekt, Bergsteiger, Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller noch dazu. Sein Heimatdorf St. Ulrich in Gröden ehrt den 1990 verstorbenen Filmstar deshalb mit der Luis-Trenker-Promenade. Es ist ein spannender Erlebnisweg für Wanderer, eine aufregende Route für Läufer und Radfahrer. Das Trenker-Denkmal mit Blick in die Hausgipfel lässt an Trenkers Leidenschaft für die Berge denken, bei der Lokomotive und den zahlreichen Spielplätzen schlagen Kinderherzen höher. Das Grödnertal ist ein Eldorado für jeden Bergliebhaber! Schon gewusst? In Gröden gibt es die größte Rolltreppe im Alpenraum, die das Dorfzentrum von St. Ulrich mit der Talstation der Seilbahn verknüpft. Es lohnt sich, diese einzigartige Fußgängerverbindung einmal gesehen zu haben!



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